Die Sache mit dem Paradies
Wer kennt nicht diese Geschichte? Ein paradiesischer Garten, voller Schönheit, Fülle und Wunder. Ein Ort, an dem alles da ist und nichts erkämpft werden muss. Und dann die Erzählung vom Rauswurf: erledigt, Deckel zu, du bist draußen. Für immer.
Viele von uns sind mit diesem Bild aufgewachsen. Auch ich. Lange Zeit habe ich diese Geschichte als märchenhaft abgetan – schön, aber letztlich ohne große Bedeutung für das wirkliche Leben.
Erst viel später begann ich zu merken, dass an dieser Erzählung etwas nicht zu stimmen scheint. Nicht die Frage, ob es ein Paradies gibt, sondern die Annahme, dass wir draußen sind - für immer.
Was, wenn es genau umgekehrt ist? Was, wenn das Paradies immer noch da ist – ringsherum? Und wir selbst sitzen in einer Art Käfig, in einer Käseglocke, die wir kaum noch wahrnehmen?
Dieser Gedankengang führt zu unbequemen Fragen: Warum fühlen sich vertraute Begrenzungen sicher an? Warum erscheint der Schritt hinaus gefährlich? Und was braucht es an Mut und Vision, um überhaupt in Betracht zu ziehen, dass es draußen vielleicht schöner ist als drinnen?
Diese Gedanken entstehen in Bewegung – beim ruhigen Schlittschuhlaufen über einen großen See. Eine weite, glatte Eisfläche, winterliche Stille, grauweißes Licht. Am Horizont zeichnen sich kahle Bäume ab, dunkel und ruhig vor dem Himmel.
Ich bewege mich über das Eis, tauche in die Unschärfe ein, Worte erscheinen und verschwinden wieder. Vielleicht, weil nicht alles klar sein muss, um wahr zu sein. Vielleicht, weil manche Fragen eher gespürt als beantwortet werden wollen.
Dieses Video ist kein Kommentar und keine Erklärung. Es ist ein ungewöhnlicher Gedankengang. Ein Innehalten in der Bewegung. Und eine Einladung, sich vorzustellen, dass das Paradies vielleicht nie wirklich verschwunden ist.
Stimme & Text: Bernd Bieder
Film & Schnitt: Bernd Bieder
Weltenwege: www.welten-wege.de